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Besser Bio? Ökologisch-bewusst konsumieren

Wir alle wissen, dass es wichtig ist, sich vitaminreich und gesund zu ernähren. Doch was nützt es, viel Gemüse zu essen, um die körpereigene Abwehr zu stärken, wenn man gleichzeitig Pestizidrückstände zu sich nimmt?

Die neuesten Test-Ergebnisse des Öko-Monitorings (ein Kontrollprogramm, das Bio-Lebensmittel auf erwünschte und unerwünschte Inhaltsstoffe untersucht und die Werte mit denen konventionell erzeugter Lebensmittel vergleicht) bestätigt auch 2015: Bio liefert die sichersten Lebensmittel. Besonders deutlich wird der Unterschied bei Gemüse: Öko-Gemüse ist durchschnittlich 320-fach weniger mit Pestiziden belastet als konventionelle Produkte. Obst und Gemüse aus ökologischem Landbau enthalten nicht nur deutlich mehr Vitamine, sondern auch mehr Mineralstoffe, mehr sekundäre Pflanzenstoffe und deutlich weniger Nitrat. Fazit: Bio ist besser! Und außerdem: Wer Ökoprodukte kauft, tut gleichzeitig etwas für Tiere und Umwelt.

Der schonende Anbau-Prozess, bei dem die Bio-Bauern auf Fruchtfolgen, Sortenvielfalt und ökologischen Pflanzenschutz setzen, führt zur hohen Bio-Qualität im Endprodukt.
Die ökologische Wirtschaftsweise findet immer mehr Anhänger. Allein in Niedersachsen wirtschaften schon weit über 1000 Landwirte nach den Richtlinien des Ökolandbaus. Zu den bekanntesten Anbauverbänden gehören Bioland, Demeter und Naturland. Der größte deutsche Anbauverband Bioland führt auch das bekannteste Warenzeichen. Produkte mit dem Bioland- Zeichen werden nach deutlich strengeren Richtlinien produziert als Waren, die nur das sechseckige EU-Biosiegel tragen.

Im Mittelpunkt der organisch-biologischen Wirtschaftsweise bei Bioland steht der Schutz von Trinkwasser, Boden und Luft. Nur ein intakter Boden gewährleistet hochwertige Lebensmittel für den Menschen und gesundes Futter für die Tiere. Die Verwendung von mineralischem Stickstoffdünger ist verboten, ebenso chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel. Stattdessen werden die Pflanzen durch den Erhalt der Bodengesundheit, vielseitige Fruchtfolgen und die Förderung von Nützlingen vorbeugend vor Krankheiten und Schädlingen geschützt. Gedüngt wird in erster Linie organisch, etwa mit Mist, der auf dem Hof anfällt, und durch Stickstoff sammelnde Pflanzen wie Luzerne und Klee.
Ökologischer Landbau belastet das Grund- und Oberflächenwasser in der Regel weniger mit Nährstoffen, wie zum Beispiel Nitrat, als der konventionelle Landbau. Der Verzicht auf chemisch-synthetische Mittel schließt den Eintrag solcher Pflanzenschutzmittel aus. Weil die Viehhaltung an die Fläche gebunden ist, fallen meist nicht mehr Nährstoffe durch Mist und Gülle an als den Pflanzen auf den hofeigenen Flächen problemlos zugeführt werden können.

Durch den Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und das niedrige Düngeniveau wird die Vielfalt des Tier- und Pflanzenlebens gefördert. Auf den Öko-Flächen finden sich häufig mehr Arten als auf den konventionell bewirtschafteten Flächen.
Die Tiere im ökologischen Landbau haben viel Platz, Luft und Licht. Der Auslauf ins Freie und Stroheinstreu im Stall sind die Regel. Das Futter muss zu 100 Prozent aus ökologischem Anbau und überwiegend aus eigener Produktion stammen. Es dürfen keine Leistungsförderer oder Antibiotika beigemischt werden. Der Einsatz der Gentechnik ist untersagt.

Durch zusätzliche Naturschutzmassnahmen erhalten Öko- Bauern die Biotope in der Agrarlandschaft. So wird zum Beispiel durch das Anlegen von Hecken, Brachen und Streuobstwiesen die Artenvielfalt von Fauna und Flora gefördert.

Die Verbraucher können die Bio-Lebensmittel auch direkt ab Hof einkaufen oder sich nach Hause liefern lassen. Zahlreiche Erlebnisangebote auf den Höfen für Kinder und Erwachsene laden dazu ein, die besondere Wirtschaftsweise kennen zu lernen.

Für den Verbraucher stellt sich nun noch die Frage: Besser Bio oder besser regional? Slowfood, eine international aufgestellte Vereinigung regionaler Produzenten und ihrer Konsumenten, ihr Gründer und Präsident Carlo Petrini sagt dazu: „Wenn Bio-Produkte zur bloßen Handelsware werden, haben wir nicht viel gewonnen. Es sollte bei Lebensmitteln nie um das Etikett gehen, sondern um die grundsätzliche Einstellung dahinter. Die beste Antwort ist daher: lokal essen“. Viele der produzierenden Slowfood-Mitglieder sind nicht biozertifiziert oder verzichten gar darauf. Denn Kleinbetriebe können sich die Zertifizierungskosten nicht immer leisten.

„Die Arche des Geschmacks“ schützt weltweit regional wertvolle Lebensmittel, Nutztierarten und Kulturpflanzen vor dem Vergessen. Slowfood unterstützt so die dem jeweiligen Anbaugebiet angepassten, oft uralten Sorten.

Doch sobald der Erzeuger über den vertrauensbasierten Direktverkauf hinausgeht, ist im derzeit bestehenden Lebensmittel-system eine Zertifizierung unerlässlich.

 

Mehr Infos:
www.bioland.de
www.die-regionalen.de
www.bioeinkaufen.de