Nachdenken über Kreativität© Renate Anona Kester

Bewusstes Tun – bewusstes Leben

Bewusstes Tun ist immer auch meditatives Tun, im Sinne von „ganz da sein“. Je bewusster ich etwas tue, desto besser lerne ich zu leben. Ich lerne aber auch, in der Gegenwart zu leben, denn nur im Hier und Jetzt ist des Lebens Fülle zu finden – weder in der Vergangenheit noch in der Zukunft. Warte ich jedoch immer nur auf ein zukünftiges Geschehen, etwa auf die Ferien, das Wochenende, eine Begegnung usw., so lebe ich am Leben vorbei. Denn ist das Ersehnte dann da, bin ich traurig, weil ich es nicht festhalten kann und die erwartete Freude ist gar nicht mehr so groß. Es zwingt mich also, immer wieder etwas Neues zu suchen, auf das ich „warten“ kann, damit verschiebe ich das Leben immer auf später.

Tue ich etwas bewusst, mache ich auch keine Fehlgriffe, ich weiß dann zum Beispiel immer, wo ich etwas hingelegt habe und bin fähig, auch der kleinsten Handlung Bedeutung zu geben. Alles, was ich tue, ist es wert, bewusst getan zu werden. Gelingt mir dies bei scheinbar unwichtigen Dingen, so gelingt es mir auch bei wichtigen Arbeiten, mich voll zu konzentrieren. Tue ich etwas mit vollem Bewusstsein, so lasse ich alles andere los, verschwende also keine Energie für Dinge, die entweder bereits vorbei sind oder im Moment noch nicht getan werden müssen.

Spreche ich mit einem Menschen, so bin ich ganz für ihn da, sehe ihm in die Augen und höre gut auf seine Worte – auch mit dem Herzen. Der andere spürt das, er fasst Vertrauen zu mir und eine Atmosphäre des Verstehens kann sich entwickeln. Damit erhält jede Beziehung ihren eigentlichen Sinn.
Und auch, wenn ich Nahrung zu mir nehme, bin ich mit meiner ganzen Aufmerksamkeit dabei. Ich betrachte die Speise als Geschenk der Natur und danke ihr im Stillen, dass sie sich in mir in Energie verwandeln will. Ein weiser Mann sagte einmal: „Die Nahrung ist ein Liebesbrief, den uns die Schöpfung schreibt.“ – Wie könnte ich sie da noch achtlos hinunterschlingen?

Gehe ich irgendwo hin, so tue ich auch das mit vollem Bewusstsein. Ich „gehe“ wirklich, bin nicht schon dort. Der Weg ist das Ziel… Ich gehe jeden Weg bewusst, und bin ich dann angekommen, so bin ich auch dort „ganz da“ und nicht in Gedanken schon bei der nächsten Station. In diesem Sinne beginne ich auch meinen Tag. Freue mich auf alles, was er mir bringt, danke dafür, dass ich lebe.
Ich bin bereit, alles anzunehmen, was er für mich bereithält und vertraue meiner inneren Führung.

Bewusstes Leben heißt auch bewusstes Sehen und bewusstes Wahrnehmen der Dinge um mich herum. Wahrnehmen mit meinem ganzen Fühlen, meinen ganzen Sinnen. Bin ich zum Beispiel in der Natur, so „konsumiere“ ich sie nicht, sondern erfreue mich an ihr. Ich nehme auch die Schönheit der kleinen Dinge in mich auf und höre überall das Raunen des Lebendigen. Alles will mir sagen: „Du bist ein Teil von uns, wir alle atmen dieselbe Luft!“

Lebe ich bewusst, so bin ich auch einfach – einfach der, der ich bin. Ich kann es mir leisten, alle Masken fallen zu lassen, darf „echt“ sein und mein wahres Wesen zeigen. Und wie viel Energie kann ich sparen, wenn ich mich nicht mehr verstellen, nichts mehr vormachen muss! Es ist so einfach, bei sich selbst zu sein – und so entspannend schön….

Renate Anona Kester, Freie Künstlerin und Autorin
TIA – Kreatives Achtsamkeitstraining, Hildesheim
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