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Ich nehme mich an

Selbstliebe ist überlebenswichtig und doch gerade in der Generation der heute viel zitierten Kriegsenkel so wenig selbstverständlich. „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst“ heißt es schon in der Bibel.

Vielleicht war in den Zeiten der Evangelisten Selbstliebe tatsächlich noch selbstverständlich. Heute ist die junge Mutter kein Einzelfall, die nach ihrem Selbstmordversuch gefragt wurde, ob sie denn gar nicht an ihr Kind und ihren Ehemann gedacht hätte und antwortete: „Mein Kind hätte eine bessere Mutter und mein Mann eine bessere Frau verdient“. Die Frage impliziert schon das erste Problem – das Gebot „Eine gute Mutter denkt zuerst an ihr Kind, dann an ihren Mann und dann… noch lange nicht an sich selbst.“

Selbstliebe bewirkt Selbstfürsorge und Selbstfürsorge bedeutet, dass eine gute Frau zuerst an sich selbst denkt, dafür sorgt, dass es ihr gut geht und dann geht es fast schon von selbst dem Kind und dem Mann gut (gilt natürlich auch für den Mann). Tiere werden bei uns höher geachtet – so heißt es in der Werbung: „ Wenn es der Katze gut geht, freut sich der Mensch“.

Das zweite Problem sehe ich in dem Wort „verdienen“. Wie fest verankert ist die Überzeugung, Liebe verdienen zu müssen! Und im Hintergrund der Gedanke – „ich bin es nicht wert, geliebt zu werden, ich bin nichts wert.“ Tara Brach nennt dies in ihrem Buch „Mit dem Herzen eines Buddha“ die Trance der Wertlosigkeit, eine Trance, aus der wir erwachen können.

Also der tolle Rat(schlag – autsch!): „Du brauchst einfach mehr Selbstliebe“, „Sorge doch endlich mal für Dich selbst“.
So einfach ist der Ausbruch aus den Programmen unserer Kindheit nun mal nicht. Ich halte auch gar nichts davon, positive Affirmationen wie rosa Zuckerguss auf die schmerzlichen Unwert-Gefühle zu kleben.

Zunächst ist es wertvoll, zu erkennen, dass ich mich der Liebe nicht wert fühle. Und zwar meiner Liebe zu mir selbst. Um die geht es nämlich in Wirklichkeit. Nicht um die der anderen. Kein anderer kann die Wunde heilen, die schwärt, wenn ich mir nicht erlauben kann, mich selbst zu lieben. Wie die junge Frau kann ich die Liebe anderer gar nicht zulassen, wenn ich mich selbst für unwert halte, geliebt zu werden.

Mein Verstand darf wissen, dass ich auf jeden Fall von Natur aus liebenswert bin und es hier nichts zu verdienen gibt. Ich kann mir erklären, dass ich von meinen Eltern und Großeltern so programmiert wurde, weil sie aus ihren Kriegstraumen heraus selbst nicht lieben konnten. Meinem Gefühl darf ich zugestehen, dass es noch nicht so weit ist.

Der Schmerz will gefühlt werden, gesehen und gehört, er darf einen Raum in mir bekommen. Ich darf mir selber ein gute Mutter sein und mein schmerzvolles Ich liebevoll und wertschätzend im Arm halten. Mich annehmen, so wie ich bin. Mit all meinen Schwächen und den Stärken, die es vielleicht erst noch für mich zu entdecken gilt. „Ich liebe mich, wenn ich ganz bei mir bin“ – habe ich neulich gehört. Das ist so wichtig: Zeit, in der ich mich ungestört mir selbst zuwenden kann. Zum Beispiel mich wie zur Meditation hinsetzen und in mich hineinspüren, in meinen Körper. Fühle ich Anspannung im Nacken? Könnte das Ärger sein? Oder ein flaues Gefühl im Magen? Angst? Einen Druck auf der Brust? Trauer? Nicht die Geschichten, die ich mir dazu erzähle – womöglich, welcher böse Mensch mir das angetan hat. Sondern allein mein Gefühl, meine Körperempfindung wahrnehmen. Und so können mir meine Empfindungen den Weg dazu weisen, zu erkennen, was gut und was nicht gut für mich ist.

Das ist praktizierte Selbstliebe – zusammen mit Wertschätzung, Wärme und Verständnis für mich mit meinen „Fehlern“. Vielleicht hilft der Zugang über die Tierliebe: „Wir sind alle ulkige Promenadenmischungen mit schlechten Gewohnheiten“ schreibt Ruth Schwartz in ihrem Buch Conscious Girlfriends. Und viele Menschen haben solche ulkigen Promenadenmischungen schon sehr lieb gewonnen, obwohl sie auf den Teppich pinkeln. – Auch der Weg zur Selbstliebe lässt sich mit Trancereisen in Hypnose wirksam unterstützen.

 

Minje Afheldt
Dialog mit dem Unbewussten
www. minje-afheldt.de