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Lösen, Loslassen und neu Erblühen

Und es kam der Tag,
da das Risiko,
in der Knospe zu verharren,
schmerzlicher wurde
als das Risiko, zu blühen.

~ Anaïs Nin
Wir kennen vielleicht das Gefühl der Sehnsucht nach „frischem Wind“ für unser innerstes Erleben. Jeder Augenblick unseres Lebens kann ein neuer Anfangspunkt für etwas Frisches und Neues sein. Dafür braucht es jedoch keine verunsichernde Veränderung unserer äußeren Lebensumstände. Vielmehr ist hier die innere Lösung von alten Denkmustern und inneren Strukturen angesprochen. Im Hier und im Jetzt können wir Altes und Belastendes verlassen. Wir können uns jetzt entscheiden, dass dieser Augenblick gekommen ist und lassen los, um uns nicht mehr festgefahren, sondern frei zu fühlen.

„Jeder Moment ist immer neu und taufrisch“, schreibt Louise Hay. Es geht um die Veränderung einer tiefen, inneren Haltung, die uns bereits in jüngster Kindheit vorgelebt und von uns verinnerlicht wurde. Im Älterwerden sorgen wir durch unser Verhalten dafür, dass diese vorgelebten Muster erhalten bleiben, obwohl wir darunter leiden. Sie erscheinen uns vielleicht wertvoll, da sie uns bekannt und vertraut sind. Wir merken jedoch, dass sie in Wirklichkeit belasten oder sogar krank machen können. Alte Kritik, Schuldzuweisungen oder Ängste sorgen für einen eigenen, sehr negativen Spiegel unseres inneren Denkens. Entsprechende Begegnungen mit Menschen, die dieses Muster bedienen, sind vorprogrammiert.

Wir können die Gedanken zu unserer Vergangenheit verändern und neu besetzen. Wir können uns frei fühlen, indem wir uns von der Vergangenheit lösen und verzeihen, auch uns selbst.
Der sorgfältige Blick nach innen macht vielleicht Angst und verunsichert. Jedoch weiß ich aus Erfahrung, dass dies ungefährlich ist. Häufig fehlen uns die Worte, um zu beschreiben, was gerade passiert oder was wir empfinden. Unsere eigene „eingebaute“ Abwehr verhindert gerne den Zugang zu unserem Inneren. Unbewusst wehren wir uns dagegen, hinzuschauen, um zu erkennen und zu benennen, zum Schutz vor unbequemen oder schmerzhaften Erkenntnissen.

An dieser Stelle greifen kreative Methoden wie die Kunsttherapie. Die bildliche Darstellung als Parallele zu unseren inneren Zuständen ist ein Sprachrohr zu unserer verborgenen Erlebniswelt. Malerei oder skulpturales Arbeiten offenbart das Unaussprechliche, wofür wir keine Worte finden. Kreatives Tun löst Blockaden, bringt frischen Wind in unser Erleben und lässt Neues erblühen. Das prozesshafte Erleben in der Kunsttherapie bringt neue Erfahrungen und neue Strukturen für unser Handeln und Denken. Wir werden selbstbewusster, fühlen uns gestärkt und erschaffen so einen Nährboden für neues inneres Wachsen.

Wir lösen uns, wir lassen los, entwickeln frische Knospen und Erblühen neu.

Carola Walther-Opitz, psychoanalytische Kunsttherapeutin-M.A.
www.kunsttherapie-walther-opitz.de